Mit einer Sammlung von Haus zu Haus brachten die Gründer des Vereins die stattliche Summe
von
Fr. 250.40 zusammen. Ein glücklicher Umstand wollte es, dass sich die Musikgesellschaft
Union Wil in einer finanziellen Notlage befand und ihre Instrumente versteigern musste.
Die Rickenbacher Musikanten nutzten die Gunst der Stunde und ersteigerten die
Instrumente für Fr. 180.-. Bereits zwei Jahre später beteiligten sie sich an einem
Musikfest in Wil in einem musikalischen Wettstreit.
Erste Statutenrevision
1911 wagte man eine erste Statutenrevision, aufgrund welcher der Verein als
"Musikgesellschaft Rickenbach" bezeichnet wurde. Für eine Uniform reichte das
Geld damals noch nicht. Einheitliches Auftreten stand aber trotzdem im Vordergrund.
Stolz trugen die Musikanten im Winter ein "Chäppi" und im Sommer einen geflochtenen Strohhut.
Verein ist "flügge" geworden
1926 trat der Musikverein dem Kantonalen Musikverband bei, um zwei Jahre später
am Kantonalen Musikfest in Amriswil den ersten Kranz zu erringen. Der grösste
Höhepunkt der bisherigen Vereinsgeschichte war die Anschaffung einer Uniform
im Jahre 1934. Unter der Leitung von Arnold Huber wurde am Kantonalen in
Bischofszell der 1. Rang (Lorbeerkranz mit Goldfransen) errungen. Nach
vierzigjähriger Präsidentschaft wurde Albert Straub zum ersten Ehrenpräsidenten ernannt.
Erste Vereinsfahne - Neuer Name
Während der Jahre des zweiten Weltkriegs waren die Proben nur spärlich besucht.
Schon seit vielen Jahren war die Musikgesellschaft in ihrer Besetzung als
Harmoniemusik aufgetreten. Folgerichtig wurde im Jahre 1949 der Verein
in "Musikverein Harmonie Rickenbach" unbenannt. Im gleichen Jahr erhielt der
Verein seine erste Fahne. Dieses Banner wurde von Aktivmitglied Carl Widmer entworfen.
Anlässlich der Fahnenweihe wurden 17 Musikkorps eingeladen.
Kreismusiktag in Rickenbach
Angespornt durch das gute Gelingen der Fahnenweihe führte der Verein 1955
den ersten Kreismusiktag durch. Zusammen mit dem Turnverein und Männerchor
startete der Musikverein im Jahre 1958, im Saal des Gasthaus Ochsen, den ersten
Katerball. Dieser gilt heute noch als der "grösste Maskenball der Ostschweiz".
1959 stand im Zeichen einer Neuuniformierung. Wiederum war es dank der vielen
Spender möglich, nach 25 Jahren eine neue Uniform anzuschaffen. Zu jener
Zeit trat der Verein jährlich an 40 Tagen in der Uniform auf. Dies bedeutete,
dass ein fleissiger Musikant seine Uniform an 1000 Tagen trug.
Marschmusik mit Frauen
75 Jahre war die Mitgliedschaft im Musikverein reine Männersache. Ab 1965
integrierten sich immer mehr Frauen in den Reihen der Mitglieder. Dabei stellte
es sich heraus, dass militärisches Marschieren keine alleinige Männerdomäne
war. Die sorgfältig aufeinander abgestimmten Instrumente, die ab 1970 eingesetzt
wurden, waren letztlich der Auslöser dazu, im Jahre 1971 sich erstmals an einem
Eidg. Musikfest (Luzern) der Konkurrenz zu stellen. Am Kantonalen Musikfest in
Sirnach trat der Musikverein in der zweiten Stärkeklasse in der dritten Uniform
der Vereinsgeschichte auf.
Zweite Vereinsfahne
In den Farben gelb/schwarz wurde 1980 die zweite Vereinsfahne vom Patenpaar
Uschi Wagner und Carl Widmer enthüllt. Diese enthielt das Dorfwappen
(gedeckte Holzbrücke) mit einer integrierten Trompete, welches Ruedi Schläpfer
Jahre zuvor entworfen hatte. Am 15. April 1989 konnte Karl Scherrer das 30-jährige
Jubiläum als Dirigent feiern und wurde gleichzeitig zum Ehrendirigenten ernannt.
Erfolgreiche Jugendarbeit
Der Musikverein Harmonie hat sich auch um die Jugend verdient gemacht. Viele
Jugendliche wurden im Laufe der Jahre zu guten Musikanten ausgebildet und
bilden den Grundstock des Vereins. Diese Wertschätzung unterstreicht die
Politische Gemeinde mit einem jährlichen Beitrag in die Vereinskasse.
Fest in Frauenhand
1999 wurde Marianne Thalmann als erste Frau zur Dirigentin des Musikverein
Harmonie Rickenbach gewählt. Leider dauerte ihr Wirken nur ein Jahr. Bei der Suche
nach einer neuen musikalischen Leitung, fiel die Wahl erneut auf eine Frau.
Im Jahre
2000, also 110 Jahre nach der Vereinsgründung, wurde Verena Kuhn
aus Langrickenbach zur neuen Dirigentin bestimmt.
Nachdem Bettina Brauchli 1997 erstes weibliches Ehrenmitglied wurde, wählte sie
der Verein in der Folge zur ersten Präsidentin der Vereinsgeschichte.